Durch die neue Eigenkapitalverordnung der Europäischen Bankenaufsicht EBA sei eine Zwangssituation geschaffen worden, die für den Aufschwung in Europa und und für die Gesamtwirtschaft nicht gerade förderlich sei. "Das stellt so gut wie jede Bankengruppe in Europa vor die Herausforderung, ihr Kapital kurzfristig zu erhöhen. Insofern ist es derzeit tatsächlich schwierig, Geld zu adäquaten Konditionen vom Markt zu bekommen. Ich rechne jedoch damit, dass wir bald wieder normale Kurse in Relation zu den Substanzwerten der
Unternehmen sehen werden. Abhängig von der weiteren Entwicklung der Märkte könnte auch eine
Kapitalerhöhung eine mögliche
Option darstellen. Und dann werden wir das Staatskapital zurückzahlen", sagt RBI-Chef
Herbert Stepic im Interview mit dem "profil". Das Magazin hat Stepic und Erste-Chef
Andreas Treichl gemeinsam zum Gespräch gebeten.
Vergangene Woche berichtete Bloomberg, dass die RBI derzeit die Möglichkeit für eine Kapitalerhöhung über 1 Mrd.
Euro auslotet. Gespräche mit
Banken wurden bereits geführt, eine Entscheidung stehe noch aus.
Treichl und Stepic verteidigen im Interview die Ostexpansion der beiden Bankengruppen. Die Aktivitäten der Austro-Banken hättten einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass die
Wirtschaft dieser Länder sich entwickeln konnte. Zu einer der Begründungen der Ratingagentur
S&P für das Downgrade Österreichs sagt der Erste
-CEO: "Ich glaube nicht, dass das
Exposure der Banken in
Italien und
Ungarn ein derart gewaltiges Risiko darstellt. Zumal wir ja grossteils die Investitionen der unserer Unternehmen in diesen Ländern finanzieren". Angesprochen auf die kumulierte Bilanzsumme der beiden Institute, rund 370 Mrd. Euro, meint Stepic: "Das tatsächliche, theoretische Risiko der Republik
Österreich liegt zusammengerechnet bei etwas mehr als 100 Mrd. Euro."
Befragt nach ihrem persönlichen Verhältnis zueinander, verweisen sie auf ein "gutes, vertrauensvolles Arbeitsverhältnis", auch wenn Treichl gegenüber "profil" anmerkt: "Ich bin unlängst darauf angesprochen worden, dass jemand von
Raiffeisen über mich gelästert hat". Stepic: "Also ich war das sicher nicht". Treichl: "Wer es war, das wissen wir beide. (...)".
Was das Bonifikationssystem für Banken angeht, gebe es "Pros und viele Kontras", so Treichl. "So wie die Situation jetzt ist, wären wahrscheinlich alles besser dran, es würde keine Boni geben". (red)