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09.02.2012 14:56
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Heuchelei

Von Christoph Rohrmoser
 

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Die Spekulanten sind bekanntlich in der sehr einfachen Weltsicht von Politikern prinzipiell böse, sehr böse sogar. Nicht nur bereichern sie sich zum Schaden der Allgemeinheit, Steuern wollen sie auch keine zahlen und verdrücken sich daher immer in Steueroasen. Wenn es dann gar um die Getreidepreise geht, kennen die Vorwürfe meist kein Halten mehr. Dann tragen die Spekulanten zum Welthunger bei, was meist mit passenden Fotos eindrücklich unterstrichen wird. So hat natürlich auch längst in der EU eine Debatte über die Rohstoffmärkte eingesetzt.

Binnenmarktkommissar Michel Barnier sieht etwa im Vorschlag über die Neufassung der MiFID-Bestimmungen eine stärkere Regulierung der Rohstoffmärkte vor. Die Transparenz solle erhöht werden, Positionslimits für Derivate auf den Rohstoffmärkten sollen eingeführt werden, so es Hinweise auf übermässige Spekulationen gebe. Allerdings bestehen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa Zweifel, ob die Spekulation überhaupt massgeblich an den hohen Preisen vieler Rohstoffe verantwortlich sei.

So sieht CFTC-Commissioner Michael Dunn in der Diskussion um die Beschränkung der Handelspositionen eher einen Neben- schauplatz. Seiner Meinung nach bestünden keinerlei Beweise für eine exzessive Spekulation und sinkende Preise nach Einführung der Massnahmen. In den USA unterliegen neben Energie und einigen Metallkontrakten auch neunzehn Agrarkontrakte den neu ein geführten Positionslimits.

Rohstoff-Guru Jim Rogers hat in einem Interview mit der NZZ anlässlich seines Vortrags an der Zürcher Fonds12 auf die Frage, ob Investments in Agrarrohstoffe nicht „unethisch“ wären, Dampf abgelassen und der Politik Heuchelei vorgeworfen. Höhere Agrarpreise seien notwendig, denn schon jetzt befänden sich viele afrikanische und indische Bauern unterhalb ihres Existenzminimums und begingen sogar Selbstmord. In den USA sei das Farmertum dermassen unattraktiv, dass das Durchschnittsalter der Farmer bei 58 Jahren liege und die Produktion in naher Zukunft ernsthaft gefährdet sei. Unethisch sei somit vielmehr der Wunsch der Konsumenten, für Nahrungsmittel nichts zahlen zu wollen.

Dabei darf man auch nicht vergessen, dass gerade die Industrienationen mit ihrer hochsubventierten Agrarpolitik dazu beigetragen haben, künstlich die Agrarpreise tief zu halten, zum Schaden der Dritte-Welt-Bauern, die von billigen Agrarprodukten geradezu überschwemmt werden. Die Scheinheiligkeit der Politik zeigt sich auch darin, dass genau sie es war, die mit der Förderung von Biosprit die Nachfrage angeheizt hat, was zu steigenden Preisen führte. Wieviel zusätzlich auf das Konto von Spekulanten geht, ist jedenfalls umstritten.
 

 




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