Deutsche
Banken müssen im Jahresabschluss 2011 ihre griechischen Staatsanleihen kräftig abschreiben. Wirtschaftsprüfer raten den Instituten, die Hellas-Bonds um mehr als 50 Prozent - und damit über den derzeit diskutierten Forderungsverzicht hinaus - wertzuberichtigen. Die tatsächlichen Belastungen für die Geldhäuser dürften höher liegen, begründete das Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW) seine Empfehlung.
Zudem gebe es weiter die Gefahr eines Scheiterns der Gespräche Griechenlands mit den privaten Gläubigern und damit einer ungeordneten
Insolvenz des Landes. Dann droht ein drastischer Wertverfall der Hellas-Papiere. Doch die zusätzlichen Lasten dürften nach Ansicht der Deutschen Bundesbank kein Geldhaus hierzulande in Existenznöte bringen.
Das IdW kommt zu dem Schluss: "Nicht zu beanstanden ist es, wenn im Zweifel eine
Abschreibung bis auf den Marktwert der noch umlaufenden
Anleihen vorgenommen wird." Das entspräche einer Wertberichtigung um rund 70 Prozent. Das gilt für die Papiere, die im Bankenbuch liegen - die also bis zur Fälligkeit gehalten werden müssen. Für die Bonds im Handelsbestand ist die Bewertung zu Marktpreisen ohnehin vorgeschrieben.
Die Deutsche Bank hat als einziges Institut hierzulande schon Jahreszahlen vorgelegt und dabei die griechischen Bonds auf Marktwert abgeschrieben. Der Branchenprimus hält jetzt noch griechische Staatsanleihen im Wert von 448 Mio.
Euro - ein Jahr zuvor waren es 1,6 Mrd. Euro. Grösster deutscher
Gläubiger des Schuldenstaates am Mittelmeer ist die Commerzbank, die Ende des dritten Quartals noch 1,4 Mrd. Euro hielt. Die Hellas-Bonds standen damals noch mit 48 Prozent des Nennwerts in den Büchern.
Auch andere Institute haben ihr Engagement im Jahresverlauf deutlich auf ein überschaubares Niveau zurückgefahren. "Es ist nicht gross genug, um in Panik zu verfallen oder grosse Sorge zu haben", sagte die für die Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger auf einer Branchenkonferenz in Berlin. Banken verhandeln seit Monaten mit der griechischen Regierung über einen Schuldenschnitt für das Land. Die Banken sollen mindestens auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten, indem sie die alten Bonds in neue mit einem geringeren Volumen, niedrigeren Zins und einer längeren
Laufzeit tauschen. Das zuletzt diskutierte Umtauschangebot liefe auf Belastungen von bis zu 70 Prozent in den Bankbüchern hinaus.