Als limitierte Opernball-Edition bringen die beiden österreichischen Traditionsunternehmen
Berndorf und
Agrana ein Stück österreichischer Tischkultur auf den Wiener Opernball 2012 - den Sisi-Löffel, der als Damenspende fungieren wird. In den Handel kommt das Produkt mit zwei Sackerl Zucker und einem Kaiserschmarrn-Rezept. Nett, Absatzboom wird das trotz aller Reminiszenzen an die Kaiserzeit aber nicht auslösen. Für Zucker bleibt somit das Problem: Wohin mit der Überproduktion, auf dass die Preise nicht noch weiter verfallen.
Ein Preisverfall bei Zucker trifft auch Agrana: In Zeiten des starren Zuckerregimes in Europa mit feststehenden Quoten und Preisen, waren der Austro
-Aktie Schwankungen der Weltmarktpreise noch egal. Doch seit der schrittweisen Freigabe des abgeschotteten Marktes hat sich das geändert - die Korrelation der beiden Preisgraphen hat sich klar erhöht. Womit wir beim derzeit grössten Risko für Agrana sind - dem Zuckerpreis. Denn nach vier teils äusserst kräftigen Unterdeckungsjahren der Nachfrage (grossteils unwetterbedingt), wird es heuer (Brasiliens Süden etwa meldet beste Witterungsbedingungen) wieder einen kräftigen Überschuss in der Produktion geben. Die Schätzungen des Überangebots liegen bei 9 Millionen Tonnen. Das Jahr darauf - 2012/13 - ist Besserung in Sicht - Überangebot soll es aber immer noch geben. Branchenconsulter Kingsman rechnet mit einer Steigerung der Nachfrage um 2,7 Prozent auf 170,6 Mio. Tonnen - und einer Reduktion des Überangebots auf dann 4,7 Mio. Tonnen.
Die Folge des Ungleichgewichts am Markt zeigt sich im Zuckerpreis: Von seinem Hoch Anfang 2011 büsste die Notiz mittlerweile mehr als 30 Prozent ein. Zuletzt schien es nach Gegenbewegung aus, doch sowohl das Fibonacci-Retracement bei 25,49 US-Cent je Pfund erwies sich als unüberwindbare Hürde, wie auch der 200-Tagesschnitt mit 25,74 US-Cent. Macquarie rechnet daher infolge des Zuckerüberangebots mit einem weiteren Preisverfall um beinahe ein Viertel auf 18 Cent - bei 18,95 liegt das nächste wichtige Fibonacci-Retracement.
So wundert es nicht, dass auch Agrana zuletzt keine Stärke zeigte und nun bereits zum wiederholten Male daran scheiterte, neue Rekordhochs zu erklimmen. Was Analysten unter fundamentalen Gesichtspunkten aber erwarten - dort lautet das Kursziel im Schnitt auf 108,1
Euro, was dem Titel ein Potenzial von rund 30% bescheinigt (was auch in etwa mit der Peergroup-Bewertung korreliert). Sollte Zucker selbst wirklich weiter den Weg gen Süden antreten, wird sich auch Agrana nicht nordwärts aufmachen ...