Bei Analysten steht die
Flughafen-Wien-Aktie derzeit nicht gerade hoch im
Kurs, überwiegen doch die Halten- und Verkaufsempfehlungen. Der Titel notiert zwar rund 30% unter Buchwert, die Aussicht auf sinkende Gewinne, der Bau der dritten Piste und Kapazitätskürzungen bei den Airlines - allen voran den
Austrian Airlines - lasten aber auf dem allgemeinen Sentiment. Jüngst kam auch noch die - voraussichtliche - Dividendenhalbierung hinzu.
Die Sache mit der Unterbewertung hat aber auch ihren Reiz (vorausgesetzt man findet Wege, die Lücke zum tatsächlichen Wert zu schliessen) - etwa für Petrus Advisers. Die Investmentgesellschaft rund um den ehemaligen Goldman Sachs-Banker
Klaus Umek und
conwert-Verwaltungsratschef
Johannes Meran outet sich heute als Investor des
Flughafen Wien. Gehalten werden weniger als 5% - und das seit dem zweiten Halbjahr 2011.
Auf die Frage, ob über 5% aufgestockt bzw. ob es Interesse an Aufsichtsratsposten geben wird, heisst es seitens Petrus, dass Derartiges nicht geplant sei. Aber natürlich wolle man eine aktive Rolle als
Aktionär spielen. Sprich, eine zweite conwert (Petrus - mit
Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner an Bord - übernahm dort quasi das Sagen und ist grösster Einzelaktionär) dürfte es nicht werden - wird zumindest der Eindruck vermittelt. Petrus-Manager Michael Sieghart will aber zumindest nicht ausschliessen, dass sich der Anteil in „Richtung“ 5%-Schwelle bewegen könnte.
In einem Punkt wurde der Investmentmanager bereits vorstellig: Petrus legte ein Angebot für die Flughafen
-Immobilien im Wert von 450 Mio.
Euro. Laut „profil“ ging es dabei um 11.000 Parkplätze und ungefähr 83.900 Quadratmeter Bürofläche. „Die Substanzwerte aus Immobilien und Beteiligungen sind unzureichend im
Aktienkurs reflektiert“, so Sieghart. „Wir sehen die Aktie aktuell rund 40 % unter ihrem inneren Wert gehandelt“.
Der Flughafen wollte - und konnte - aber nicht auf das Angebot des Aktionärs eingehen. „Dieses Angebot wurde aus rechtlichen, vor allem aber auch aus strategischen Gründen abgelehnt“, sagt Flughafen-Sprecher Peter Kleemann dazu.
Rechtlich - wie auch das „profil“ berichtete - sei ein Verkauf derzeit nicht möglich, weil diese Flächen innerhalb der sogenannten „Zivilflugplatzgrenzen“ liegen und der Flughafen darüber die Verfügungsgewalt haben muss. Das sieht jedenfalls das Luftfahrtgesetz vor.
Darüber hinaus arbeite der Flughafen aber selbst an einem Entwicklungskonzept für die Immobilien. „Gerade Non Aviation ist für den Flughafen Wien ein wichtiges Geschäftsfeld“, so Kleemann. Künftige Ausbauten ausserhalb der Zivilflugplatzgrenze könnten aber grundsätzlich auch mit Partnern gemacht werden.
Rechtliche Situation prüfenPetrus will die rechtliche Situation jetzt einmal „prüfen“. „Es mag das eine oder andere Hindernis bei einzelnen Flächen geben, aber der Flughafen hat hinreichend Liegenschaften, die nicht in diese Grenzen fallen“, so Sieghart laut APA. Generell sei es Petrus darum gegangen, einen „Denkprozess“ anzustossen, wie etwa die Immobilien am besten zum Restrukturierungsprozess beitragen könnten. „Der Schatz gehört gehoben“, so Sieghart. Und weiter: „Wir sind durch unser Investment in conwert durchaus ein kompetenter Ansprechpartner, hier zu helfen.“
Und auch im operativen Airport-Geschäft sieht Petrus Platz nach oben: Die
Einzelhandelsumsätze am Flughafen Wien lägen um mehr als 50 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt, deren Steigerung berge „signifikantes Potenzial“.
Alles friendly?Bleibt abzuwarten, wie amikal die Sache weitergeht. Petrus-Chef Klaus Umek streut dem neuen Airport
-Vorstand Julian Jäger und
Günther Ofner derzeit Rosen: „Anhand der eingeleiteten wichtigen Restrukturierungsmasnahmen kann man bereits die Handschrift des neuen Flughafen-Managements erkennen“.
Aber auch bei conwert war anfangs alles „friendly“, und der frühere conwert-Chef
Johann Kowar meinte noch im Mai 2010, der neue Kernaktionär stehe „zu 100 Prozent hinter der Strategie des Managements“ - rund fünf Monate später verliess Kowar dann das Immobilienunternehmen - in bestem Einverständnis, versteht sich. (bs)