Seit der Übernahme von Zielpunkt durch bluO hatte Jan Satek als Vorstandschef das Unternehmen mit über 300 Filialen geführt. BluO hatte die Lebensmittelkette im Juli 2010 von der Tengelmann-Gruppe übernommen. Nun kauft Satek mit zwei nicht genannten Investoren das Unternehmen rückwirkend per 1. Jänner dem aktuellen Eigentümer ab. Satek hat damit sein eigenes Lebensmittelgeschäft gekauft, denn den Kaufpreis bezahlte er aus seinem Privatvermögen. „Wenn mir jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass ich einmal Lebensmittelhändler werde, hätte ich das nicht gedacht. So bin ich jetzt ein Midlife-Greißler, wie ich immer sage.“ Bereits im Vorjahr habe bluO signalisiert, Zielpunkt wieder veräußern zu wollen, „und da habe ich ein Angebot gemacht“, so Satek. Am Montag habe er dann den Zuschlag erhalten.
„Ich identifiziere mich zwischenzeitlich so stark mit dem Unternehmen, dass für mich die Übernahme ein logischer Schritt ist“, sagte Satek. Als Eigentümer könne er schneller reagieren, er wolle den bisher eingeschlagenen Weg „zum überwiegenden Teil“ unverändert lassen. Die Eigenmarken „natürlich für uns“ und „Jeden Tag“ sollen gestärkt, der Non-Food-Bereich verkleinert werden. Die Gesellschaft sei jetzt frei von Bankverbindlichkeiten und wachse deutlich, hieß es. 2011 kam Zielpunkt allerdings noch nicht aus den roten Zahlen. Bei einem Umsatz von 540 Millionen Euro machte Zielpunkt einen EBITDA-Verlust von fünf Millionen Euro.
Für 2012 sei der endgültige Turnaround geplant, ab 2013 sollen schwarze Zahlen geschrieben werden. Jährlich sollen fünf bis zehn neue Filialen dazukommen. Zielpunkt will sich als Nahversorger positionieren und weniger als Diskonter. „Das Transaktionsvolumen liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich.“ Auch wenn man derzeit „finanziell gut aufgestellt“ sei und das Geld für die weitere Sanierung reiche, ist Satek auf der Suche nach weiteren Investoren. Er führe Gespräche mit Finanzinvestoren, wolle aber immer die Mehrheit an Zielpunkt behalten, betonte er. Auch ein Weiterverkauf wurde nicht dezidiert ausgeschlossen: „Wenn jemand mit einem Geldkoffer kommt, dann kann man darüber nachdenken“, sagte Satek. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), Wolfgang Katzian, sieht im Eigentümerwechsel „ein ernsthaftes Signal, dass an den gesicherten Weiterbestand des Unternehmens geglaubt und dass vor allem dafür gearbeitet wird“. Die rund 3.000 Mitarbeiter seien heute über den Eigentümerwechsel informiert worden. Für sie ändere sich dadurch „gar nichts“, versprach Satek.
Der Zielpunkt-Deal war beim VC/PE-Award 2011 nominiert, die Begründungen dafür lauteten:
+ Gelungener strategischer Verkauf an ausländischen Investmentfonds
+ Finanzierung der Neupositionierung als "österreichischer" Nahversorger
Der Link zur Sonderausgabe mit allen Preisträgern:
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