Nicht, dass sich alle Unsicherheiten und Risken in Luft aufgelöst hätten - eine Einigung zur Beteiligung des Privatsektors am Griechen-Haircut erwies sich bis zuletzt als Hängepartie -, dennoch wimmelt es plötzlich nach der positiven Entwicklung in der vergangenen Woche nur so von Optimisten.
Ist somit der magische - und gleichzeitig nicht genau identifizierbare - Punkt in einem Zyklus erreicht - bedingt durch eine ebenso wenig genau nachvollziehbare Besserung des Markt-Sentiments?
Die Chancen dafür stehen gut, meint UniCredit-Chefvolkswirt Erik F. Nielsen in seinem wöchentlichen Sonntags
-Update. „Sehen wir uns frühere Wendepunkte an, so haben sich diese nie mit grossen Aktionsplänen überschnitten“, so Nielsen. Vielmehr war es stets eine Folge etlicher Massnahmen, die die Gefühlswelt der Börsianer aufhellen. „Und wenn das passiert, dann werden auch die geringsten News als sehr positiv und wichtig interpretiert. Wenn so eine Änderung der Marktinterpretation von Nachrichten und Ereignissen zu beobachten ist - also vom kompletten Ausblenden guter Nachrichten hin zur positiven Auslegung noch so spekulativer oder geringer Neuigkeiten -, dann hat das Sentiment gedreht“, meint Nielsen.
Die
Anleger sitzen auf „Tonnen von Cash“ und verdienen damit nichts, solange sie es in Assets mit negativer Verzinsung (siehe deutsche Staatsanleihen) stecken. ge: Das Wachstum in der Eurozone fällt nicht von der Klippe, und die europäischen
Banken haben sich vor nicht einmal einem Monat mit knapp 500 Mrd.
Euro dreijähriger
EZB-Gelder eingedeckt und sind damit beschäftigt, das Geld ins Verdienen zu bringen, bevor es Ende Februar erneut einen billigen Drei-Jahres-Tender gibt.
Simple Sicht der Dinge„Ja, es gibt nach wie vor einige Kommentatoren, die sich fragen, wie man diese substanzielle Inanspruchnahme der EZB-Gelder durch die Banken deuten soll. Hier ist meine simple Sicht der Dinge: Wenn man keinen Weg findet, Dreijahres-Geld, das man zu 1% erhalten hat, gewinnträchtig anzulegen, dann sollte man nicht unbedingt im Finanzintermediationsgeschäft tätig sein“, erläutert Nielsen.
Patrick Moonen, Senior Equity-Stratege bei ING, drückt das aktuelle Geschehen folgendermassen aus: „Wir beobachten bei institutionellen Investoren derzeit den Beginn einer Veränderung hin zu risikoreicheren Assets, hin zu
Aktien. Und wird denken, dass dieser
Trend gerade erst begonnen hat“.
Genug PessimismusDie UBS hat in ihrer globalen Aktienstrategie ebenfalls den Schalter umgelegt: „Für den Grossteil des letzten Jahres haben wir unsere vorsichtige Haltung beibehalten. Nun denken wir aber, die Anleger sollten weniger defensiv werden und schrittweise zyklische Positionen aufbauen“. Die Risken für das Wachstum und die systemischen Risken hätten sich verringert. Nichtsdestotrotz, es bleiben Herausforderungen. „Wir würden Rückschläge jetzt aber schon eher als Möglichkeit sehen, weiteres Risiko hinzuzufügen“, so UBS-Stratege Jeffrey Palmer. Regional betrachtet favorisiert er die Emerging Markets, Europa bleibt auf
Underweight.
Und Ökonom
Max Otte, der sich ja als Crash-Prophet einen Namen gemacht hat, schreibt: „Es könnte sogar sein, dass dies die zwischenzeitliche Wende an den Aktienmärkten ist. Doch wie immer bin ich mir nicht sicher, denn es geht um die Zukunft. Aber die europäischen Aktienmärkte sind im Vergleich zu den
USA so billig, dass sie irgendwann steigen müssen (...) Man sieht also, dass die Bewegungen an den Börsen oft nicht mit den aktuellen Geschehnissen zusammenhängen. Vielleicht haben wir jetzt einfach genug Pessimismus bei europäischen Aktien gehabt, und die ersten Anleger merken, dass die europäischen Aktienmärkte attraktiv sind.“ (bs)