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30.04.2012
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Die heimische Politik hat die Situation falsch eingeschätzt, indem sie wochenlang getrommelt hat, Österreichs Triple A sei sicher. Am Markt wurde dem schon länger nicht geglaubt (Frankreich und Österreich waren bereits wie „AA“-Emittenten gepreist). Es wäre wohl ratsamer gewesen, ähnlich wie Frankreichs Präsident Sarkozy irgendwann das Zurückrudern einzuleiten und das Triple A nicht länger als grössten Nationalschatz darzustellen, noch dazu verliehen von Agenturen, denen man ohnehin ständig Fehleinschätzungen oder politisch motivierte Aktionen vorwirft. Beide Staaten sind nun im „feinen“ Klub, der von den USA angeführt wird.
Die Ratingagenturen haben die Angewohnheit, dem Markt oftmals Monate hinterher zu hinken. Es ist (meist) nicht so, dass die Agenturen mit ihren Einschätzungen den Märkten die Richtung vorgeben. Vielmehr läuft es andersrum: Die Märkte eilen mit ihren eigenen Analysen und Pricings voran, Ratingagenturen reagieren mit ihren Schritten dann teilweise auf geänderte Finanzierungskosten. Und in einem negativen Rückkopplungseffekt liegt auch die grosse Gefahr, wie UniCredit-Chefvolkswirt Erik Nielsen meint. Verspätete Rating-Änderungen beeinflussen dann die Allokation institutioneller Gelder und die Behandlung von Sicherheiten. So ist es schwer nachvollziehbar, warum Italien oder Spanien nach den in den vergangenen Monaten eingeleiteten Massnahmen (ob ausreichend oder nicht) nun weniger kreditwürdig sind als vor einem Jahr, als in Rom noch „Bunga Bunga“ regierte. Laut S&P ist es aber so. Andererseits kann aber wenig gegen die S&P-Einschätzung eingewendet werden, wonach „die Effektivität, Stabilität, und Vorhersagbarkeit der europäischen Politik und der politischen Institutionen nicht so stark sind wie es unserer Meinung nach angesichts der ernsten Lage einer sich ausweitenden und vertiefenden Finanzkrise in der Eurozone erforderlich wäre“. Auch ist Österreich erst angesichts eines drohenden Ratingverlusts beim Sparpaket in die Gänge gekommen. Ansonst wären Frühpensionen oder ÖBB hierzulande wohl weiterhin kein ernsthaftes Sparthema... Knapp 60 Prozent der BE-Leser (Stand 14 Uhr) bezeichnen übrigens das Downgrade für Österreich als gerechtfertigt, da sich damit auch der Druck auf die Regierung vergrössere (stimmen Sie mit ab unter www.boerse-express.com/umfrage ). Sprich, ohne Wink mit dem Zaunpfahl der ungeliebten Agenturen wird der heimischen Politik wenig Tordrang bei der Haushaltskonsolidierung zugetraut. Die Ankündigung von SP-Staatssekretär Schieder, die Bundesregierung werde „die bisherige Politik konsequent fortsetzen“ hat vor dem Hintergrund fast etwas von einer Drohung....
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