'Sichere'
Anleihen rentieren tief wie nie.
Deutschland etwa muss kaum mehr 2,0 Prozent auf neue Schulden zahlen.
Österreich bewegt sich in ähnlichem Fahrwasser knapp dahinter. Und nutzt das etwa diese Woche zur
Emission von Anleihen. Nur noch 19 Staaten werden von
S&P mit der höchstmöglichen
Bonität von "AAA" bewertet – Österreich ist dabei.
Doch die 19 sind viel zu viele, meint Alexander Dill. Der Leiter des Basel Institute of Commons and Economics hat ein Ratingsystem entwickelt, das die Bereitschaft zum Schuldenabbau misst. Darin erhält nur ein Land die Bestnote – Österreich ist es nicht.
Die herkömmliche Systematik der grossen
Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's sowie Fitch hält der Wirtschaftsforscher für unzureichend. Diese schenken etwa den Statistiken zur Wirtschaftsentwicklung zu viel Beachtung, kritisiert er. Denn Statistiken seien leicht zu manipulieren, wie nicht nur das Beispiel
Griechenland beweist. „Die Vergabe eines Triple-A verkündet eine gefährliche Botschaft: Wenn ihr eure Zahlen perfekt manipulieren könnt, bekommt ihr die höchste Kreditwürdigkeit“, sagt Dill.
Beispiel: Dill moniert, dass Länder mit dem höchstmöglichen
“Triple A”
Rating zumeist sehr von der Leistungsfähigkeit ihrer Finanzindustrie abhängig sind. Diese trägt selbst aber nur relativ wenig zur nationalen Steuerbilanz bei, erleichtert es jedoch, die für die Einstufung als “Investment Grade” notwendigen Zahlen zu erreichen.
Für Dill ist hingegen wichtiger, ob eine stabile Realwirtschaft und das "Sozialkapital" der Gesellschaft die Rückzahlung von Staatsanleihen und Krediten überhaupt erlauben. Und hat darauf aufbauend ein neues Ratingsystem entwickelt, das die wirkliche Bereitschaft von Politik,
Wirtschaft und Gesellschaft zum Schuldenabbau misst. Das Thema Sozialkapital wird dabei in Summe mit 70 Prozent gewichtet.
In seiner Rating-Rangliste kommt einzig
Norwegen auf die Bestnote "AAA". Die
Schweiz,
Liechtenstein und
Schweden bekämen wenigstens noch die Silberne mit "AA+".
Österreich bescheinigt das Basel Institute of Commons and Economics immerhin ein "BBB+", immerhin noch zwei Stufen oberhalb der Schwelle zum Non-Investment-Grade, aber auch sieben Stufen unterhalb des aktuell offiziellen
Ratings. Am schlechtesten kämen die
USA weg. Diese bekommen lediglich ein "CCC" – das ist beinahe Griechenland. Vor kurzem hatte S&P den USA die "AAA"-Note entzogen und aus 20 Top-Schuldnern weltweit nur noch 19 gemacht.