Anspannung und Unsicherheit werden wohl auch in der neuen Woche die Gefühlswelt der Aktienanleger beherrschen. Denn die Märkte dürften weiter im Bann einer ganzen Reihe von Problemen - wie etwa die Schuldenkrise in Europa und die Angst vor einer konjunkturellen Abkühlung - stehen. Eine Erholung erwarten Aktienstrategen deshalb zunächst nicht. "Auf kurze Sicht ist weiter Vorsicht geboten", glauben die Experten der LBB. Der Dax könne sogar auf ein neues Jahrestief fallen. Markus Reinwand von der Helaba ist ebenfalls skeptisch. "Der September könnte ungemütlich werden."
Die vergangene Woche war von teils heftigen Kursauschlägen gekennzeichnet, auf Wochensicht bewegte sich der deutsche Leitindex aber um nicht einmal einen Zähler und schloss bei 5.538 Punkten. Im vergangenen Monat ist der Dax allerdings um knapp 20 Prozent eingebrochen. Damit geht der Monat August 2011 als einer der schwärzesten in die Geschichte des Dax ein. Die Börsianer sind sich einig, dass der Leitindex diesen Verlust nicht so schnell wieder aufholen wird. Zudem zehrten die teils deutlichen Schwankungen an den Nerven der
Anleger. Auch hier geben die Experten vorerst keine Entwarnung. "Da die Unsicherheit hoch bleiben dürfte, wird es wohl auch weiter deutliche Kursausschläge geben", sagt Reinwand.
Tobias Basse von der NordLB sieht mittelfristig allerdings Chancen. "Wo soll man investieren, wenn nicht in
Aktien? Alles was sicher ist, wie etwa
Gold, ist schon teuer. Darum wird man um Aktien nicht herumkommen. Man muss nur wahrscheinlich nicht unbedingt jetzt einsteigen."
Eines der vorherrschenden Themen am Aktienmarkt wird in der neuen Woche erneut die Angst vor einer
Rezession in den
USA sein. Eine konjunkturelle Abkühlung der weltgrößten
Volkswirtschaft würde sich auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken. "Der Markt ist im Moment eine Wette auf die US
-Konjunktur", stellt Basse fest. Umso genauer beäugen Anleger Wirtschaftsdaten aus den USA. Am Montag bleiben die US-Börsen wegen eines Feiertages geschlossen. Am Dienstag steht der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor deshalb im Mittelpunkt des Börsengeschehens. Von Reuters befragte Experten erwarten eine leichte Abschwächung des Indikators im Vergleich zum Vormonat . Am Mittwoch veröffentlicht zudem die US-Notenbank
Fed den Konjunkturbericht Beige Book.
Ein wichtiges Ereignis in Europa ist in der neuen Woche die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank
(EZB) am kommenden Donnerstag. Analysten rechnen zwar damit, dass die EZB den
Leitzins bei 1,5 Prozent belassen wird. Interessant werden aber die Aussagen von EZB-Präsident
Jean-Claude Trichet sein. "Auf der kommenden Pressekonferenz dürfte Trichet seine Zuhörer darauf vorbereiten, dass die EZB keine Zinsänderungen auf den kommenden Sitzungen plant, ohne allzu weit in die Zukunft zu blicken", erwartet Michael Schubert von der Commerzbank.
Auf der Unternehmensseite dürfte es in der neuen Woche eher ruhig bleiben. Am Montag überprüft die Deutsche
Börse planmäßig ihre Aktienindizes. Im Dax werden keinen Änderungen erwartet. Als Abstiegskandidaten aus dem MDax gelten unter Indexexperten Praktiker und Demag Cranes. Aufsteigen könnte Deutz.