putzi

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Er hat schon viele Projekte umgesetzt, bei denen andere nur den Kopf geschüttelt haben: Die Gründung seiner Firma SEZ war ein Risiko; die Idee, aus den hölzernern Kickern von Bad Bleiberg eine Erstliga-Truppe zu formen, grenzt schon an Verwegenheit.
Doch während ihn das mitleidige Kopfschütteln anderer bisher stets angespornt hat, zeigt der eisige Gegenwind, der ihm bei seinem neuen Lieblingsprojekt entgegenschlägt, Wirkung: Putzi ist seine Betroffenheit darüber anzusehen, wie in Kärnten teilweise gegen das Projekt einer SportarenaVillach vorgegangen wird.
Morddrohungen gegen ihn und mit "Putzi go home" beschmierte Ortstafeln lassen den Erfolgsunternehmer ins Grübeln kommen. Was er nicht versteht: "Warum sind einige Menschen von Haus aus professionelle Verhinderer, Eifersüchtige, die versuchen, andere in ihrer Einstellung zu beeinflussen? Sein Vertrauter Harald Rohrer formuliert es pointierter: "Wenn in Kärnten einer eine Kerze anzündet, stehen schon zehn herum, um sie auszublasen."
Doch Putzi ist ein Getriebener: Er ist Gründer und Chef des Halbleiter-Industrieanlagen-Erzeugers SEZ, Inhaber einer Friseurkette, eines Sushi-Lokales und des Parkcafés in Villach, Sponsor des Fuss-ballclubs Bad Bleiberg und und und. Das Unternehmen, das in Zürich an der Börse notiert, setzte im vergangenen Geschäftsjahr 1,72 Milliarden Schilling um, der Reingewinn verdreifachte sich auf 280 Millionen Schilling.
Eigentlich könnte er mit dem Erfolg der SEZ ganz gut leben, "Ich habe mit der SEZ viel Geld gemacht", sagt Putzi, "wenn ich es veranlagen würde, hätte ich eine x-fach höhere Performance." Doch Putzi ist ein Visonär; er möchte seiner Heimat Zukunftsoptionen eröffnen. Nicht zuletzt auch, um Erfolg zu haben.

Partner Spielberg
Seine neue Herausforderung heisst "Game-Work Entertainment" und wird heuer im August in der Mariahilfer Strasse in Wien eröffnet. Der 3000 Quadratmeter grosse Gebäudekomplex ist ganz dem Thema "Eat, Drink, Party and Play" gewidmet. Die Franchisegeber sind die Universal Filmstudios, Steven Spielberg mit Dreamworks und Sega.

Lieblingsprojekt Arena
Doch damit genug. Der umtriebige Kärntner, der nach eigener Definition "eigentlich nirgends unbedingt hin will, aber zugreift, wenn es ein gutes Projekt gibt", hat ein Herzensanliegen, das er umsetzen möchte. Die Kärnten Arena vor Villachs Haustür: Auf einem 49 Hektar grossen Grundstück soll ein Erlebnispark mit Fussballstadion um drei Milliarden Schilling entstehen.
Die zentrale Idee ist der Sport. Putzi ist nämlich Mäzen des Fussballclubs Bad Bleiberg, der gute Chancen hat, in die Erste Liga aufzusteigen. "Da hört sich der Spass dann auf", kommentiert Putzi, "das ist eine Geldvernichtungsmaschine. Deswegen habe ich nach Ideen gesucht, wie zu einem Stadion zu kommen ist, dass nicht nur als solches genutzt wird."

Mühsamer Aufbau
Dass der Aufbau wiederum mühsam wird, dessen ist sich Putzi bewusst. "Als ich mich 1987 entschlossen habe, die gut bezahlte und angesehene Arbeit bei AMS aufzugeben, habe ich den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Diese Risikofreude ist mir geblieben. Mir geht es einfach darum, Erfolg zu haben", formuliert er seine Lebensphilosophie.
Der äusserlich gelassene, fast lässige Selfmademillionär mit dem Hang zum Meditieren hat allerdings auch kritische Phasen durchgemacht: "Als wir mit der SEZ in der Pionierphase waren, haben wir alle täglich mindestens zwölf Stunden gearbeitet. Hinterher sind wir auf ein Bier gegangen und haben heiss diskutiert."

Konkurrent Nadrag
Sehr stolz ist er darauf, das alle aus seinem Team noch immer im Unternehmen sind. Bis auf einen: Walter Nadrag. Er kommt ebenso wie Egon Putzi aus Bad Bleiberg und hat sich irgendwann einmal zwischen der SEZ und dem eigenen Betrieb entschliessen müssen, den er nebenbei aufgebaut hat. Nadrag hat den gleichen Weg gewählt wie Putzi und ist mittlerweile sehr erfolgreich mit seiner Firma Sico-Wafer.
Nadrags Karriere sagt auch viel über Putzi: "Die beiden Bad Bleiberger sind beide aus dem gleichen Holz geschnitzt, aber beide sind zu erfolgsorientiert, um nebeneinander existieren zu können", sagt ein gemeinsamer Bekannter, "und beide haben das absolute Gespür, was der Markt will."
Freunde sind die beiden nicht geblieben. Fragt man sie, was sie voneinander halten, bekommt man von beiden die gleiche ausweichende Antwort: "Jeder hat sich seine eigenen Prioritäten gesetzt."

Hitzig bei Illoyalität
Putzi ist nach Aussagen seiner Mitarbeiter und Freunde ein sehr offener und geradliniger Mensch, der immer verrückte Sachen macht. Man kann mit allem zu ihm kommen und ihn offen ansprechen. Was er nicht leiden kann, ist Illoyalität. Sonst so ausgeglichen, kann Putzi dann hitzig werden.
Sein Finanzberater Harald Rohrer, der für ihn seine Karriere bei einer Bank aufgegeben hat: "Egon ist ein Visionär, der absolut begeistern und andere mitreissen kann."
Seine Ideen entstehen auch in Auseinandersetzung mit dem Projekt SEZ. "Da kommt man unwillkürlich zur Überlegung, wohin sich die Technologie entwickelt. Unsere Kinder sind die Entscheidungsträger und die Mitgestalter dieser Generation", erklärt Putzi.

 


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