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23.03.2001 19:23
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CeBIT: Kapsch wandelt sich zum Content-Konzern

Die Kapsch AG präsentiert die neue Marke e-globe auf der CeBIT. Vorstand Kari Kapsch erlaubt sich leichte Seitenhiebe auf die Telekom Austria.
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von Arno Maierbrugger

Hannover. Der traditionsreiche österreichische Familienkonzern Kapsch sorgt auf der CeBIT 2001 für Überraschung: In Zukunft sollen sämtliche Konzernbereiche (Verkehr, Energie, Firmennetze, Telekom) unter der Dachmarke "e-globe" als Content-Carrier auftreten, sagt Vorstandsmitglied Kari Kapsch (Bild) im Gespräch mit dem WirtschaftsBlatt.

Um dieses Vorhaben zu unterstreichen, hat Kapsch eine der grössten "Content-Factorys" auf der CeBIT installiert. Dort werken professionelle Journalisten, zum Teil einer bekannten österreichischen Tageszeitung entliehen, fast rund um die Uhr als Content-Lieferanten für die neue Website e-globe-channel.at.

Kari Kapsch: "Wir wollen uns in Zukunft mit unserer Erfahrung und unserem Know How Bedingungen für die vielseitige Übertragung von Content schaffen". Content selbst will Kapsch aber nur in Ausnahmefällen selbst produzieren: "Geplant ist, Inhalte zuzukaufen".

Mautsystem: Endlose Story

Auf dem rund 800 Quadratmeter grossen Messestand erregt Kapsch grosse Aufmerksamkeit mit Techno-Performances und bewirbt daneben neue Anwendungen wie zum Beispiel CableStar (eine Sprach/Datenlösung für kleinere Kabel-TV-Anbieter), 24power (E-Business für Energieunternehmen) sowie Telefon- und Web-Lösungen für Unternehmen.

Zwei drängende Themen abseits der Messe: In der Ausschreibung für das österreichweite Mautsystem hofft Kapsch nun auf eine endgültige Begutachtung. Derzeit befinden sich die Anträge der Bieter in der "Präqualifikationsrunde". Ende Mai/Anfang Juni werde eine "Vorausschreibung" vom Ministerium erwartet, vielleicht könnte die Bewerbung bis Ende 2001 "endlich" über die Bühne sein, so Kapsch-Manager Erwin Toplak. Immerhin habe Kapsch für Planung und Entwicklung seiner Mautsysteme "mehr als 100 Millionen Schilling" investiert.

Aufträge hat es dafür aus der ganzen Welt gegeben: In Australien bemauten Kapsch-Systeme "die ganze Ostküste", weiters ist Kapsch-Maut in Malaysia, den Philippinen, Südamerika und einigen Ländern Europas (jüngst in der Schweiz) ein Begriff. Geht der Zuschlag aber nicht an Kapsch, so will das Unternehmen die Ausschreibung nicht anfechten, wie das etwa Austria Card im Falle der Krankenschein-Chipkarte tut. Toplak: "Wir sind keine Firma von Juristen, sondern stellen uns dem technischen Wettbewerb".

UMTS und Telekom Austria

Genug Wettbewerb gibt es auch bei einem möglichen Mega-Auftrag: Kapsch will sich nämlich um UMTS-Aufträge bei der Mobilkom, mit der Kapsch ohnehin historisch gewachsene Geschäftsbeziehungen verbinden, bemühen. Kapsch würde Basisstationen und Switches beisteuern. Nicht so einfach sei die Tatsache, dass Kapsch-Partner Nortel nun das UMTS-Netz des Mobilkom-Konkurrenten max.mobil mit baut. Kapsch: "In Österreich gibt es bei so etwas noch emotionale Barrieren". In anderen Ländern sei es selbstverständlich, dass ein Ausstatter bei mehreren Netzen beteiligt ist. Auf momentan in der Mobilfunkbranche nicht unübliche Finanzierungsmodelle nach dem Muster "pay as earned" (der Ausstatter wird nicht gleich bezahlt, sondern am Betrieb beteiligt), will sich Kari Kapsch aber nicht einlassen: "Wir wollen kein Equipment herschenken"

Auch bei dem angekündigten Infrastruktur-Auftrag der Telekom Austria (TA) will Kapsch mitmischen und verfolgt deshalb die derzeitige Diskussion um die Vergabepraxis der Telekom Austria, die das WirtschaftsBlatt am Mittwoch mit einem Bericht über die Kritik der Firma Lucent an der TA eröffnet hatte: Kapsch´s überraschende Diagnose: "Früher gab es bei der Telekom Austria faire Verfahren. Heute ist das leider nicht immer der Fall."

So seien zum Beispiel Ausschreibungsbedingungen nicht immer genau eingehalten worden, meint Kapsch, ohne Details nennen zu wollen: "Ich kann hier nicht gegen meinen Kunden auftreten". Die Form der Kritik von Lucent an der TA hält Kapsch aber für "typisch für eine amerikanische Firma". Die Telekom Austria wies die Kritik an ihrer Vergabepolitik scharf zurück und drohte dem Lucent-Chef rechtliche Schritte an.

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