Wien. Der saudische Waffenhändler Adnan Khashoggi habe im Vorjahr mit
Hilfe einer Truppe internationaler "Finanzartisten" die Kontrolle über die kleine Wiener WMP Bank
AG übernommen. Die Wirtschaftspolizei ermittelt. Das berichtet das "Format" in seiner Ausgabe von heute, Montag.
Die WMP - sie ging aus den Resten der Wiener Immobiliengesellschaft Residenz AG hervor - ist mit eingeschränkter Banklizenz als
Börsenmakler tätig. Mit Jahreswechsel wurde sie in General Commerce Bank umbenannt, seit 16. Jänner stehe sie unter Geschäftsaufsicht. Unter der Aktenzahl II-164/WP/01 habe die Wirtschaftspolizei Ermittlungen aufgenommen. Die CA hatte zuvor über ihren Rechtsanwalt Martin Oppitz eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Wien deponiert.
Laut "Format" kam es unter den Aktionären der WMP im Sommer des Vorjahres zu gravierenden Veränderungen, eine US-Gesellschaft namens Global Capital Partners Inc. übernahm eine dominante Rolle, wodurch der Anteil österreichischer
Aktionäre, angeführt vom Wiener Wolfgang Kössner, von 40 auf neun Prozent sank.
Unter Hinweis auf ein Dossier schreibt "Format" von "überaus schillernden, internationalen Finanzartisten". Genannt werden der gebürtige Kanadier Raoul Berthaumieu, neuer Chef des Aufsichtsrates, der laut US-Zeitungsberichten bereits 1991 in den
USA wegen Scheckbetruges verurteilt worden sei. Er hat laut "Format" von der zu 52 Prozent im Besitz des Landes
Kärnten stehenden Hypo-Alpe-Adria Bank einen 100-Millionen
-Kredit zur
Finanzierung von zwei Lagerhäusern in
Belgien bekommen.
Eingefädelt habe die Beteiligung Khashoggis an der Wiener Bank der gebürtige Inder Rakesh Saxena, den die thailändischen Behörden für den Zusammenbruch der Bangkok Bank of Commerce verantwortlich machten. Als Vertreter der neuen Machthaber in der Wiener Bank sei der Amerikaner Regis Possino tätig. Bei ihm handle es sich laut US-Zeitungsberichten um einen kalifornischen Ex-Anwalt, der nach Verurteilungen wegen Drogenhandels und Betruges nicht mehr als Anwalt arbeiten dürfe.
Hypo-Chef
Wolfgang Kulterer, der gegen die Bank ebenso offene Forderungen in den Büchern führte wie die Creditanstalt, hat nach eigenen Angaben bereits im Oktober bemerkt, dass in der Bank nach der Machtübernahme merkwürdige Deals abliefen. "Es häuften sich Wertpapiertransaktionen mit schwächlichen
Aktien, deren Kurse offenbar in die Höhe getrieben werden sollten. Ich habe das im Oktober dem Chef der Bankenaufsicht gemeldet", sagte er zu "Format". Kulterer sei im November 2000 mit Khashoggi zusammengetroffen: "Herr Khashoggi hat diverse Projekte vorgeschlagen und wollte bei uns Konten eröffnen. Ich habe das aber abgelehnt", wird Kulterer im "Format" zitiert.