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20.02.2001 15:03
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Chello-Kunden laufen jet2web in Scharen zu

Nach Start des Umstiegsangebotes verzeichnet jet2web "mehr als 1000" Neuanmeldungen
Eduard Zehetner
Eduard Zehetner
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Wien. Seit dem Start der Gratis-Umsteigeaktion vom Telekabel-Internet-Anschluss Chello auf das ADSL-Angebot von jet2web am vergangenen Freitag laufen bei der Telekom Austria (TA) die Telefone heiss. Diese Bilanz zieht zumindest jet2web-Sprecherin Martina Tuma. Ihr zufolge seien "mehr als tausend Anrufe für Bestellungen" eingelangt. Die Aktion wurde – nicht unklug – nach einer unvermittelten Preiserhöhung bei Chello gestartet, in deren Rahmen sich Chello auch über die eigenen Kunden, die den verbilligten Studententarif nutzen beschwerte: Chello warf den Studenten vor, zu billigsten Tarifen die meisten Übertragungskapazitäten zu nutzen und gleichzeitig auf den Provider zu schimpfen. Der Rest der Branche schüttelte über diese Form der Rechtfertigung von Chello-Netzproblemen nur mehr den Kopf.

Die befristete jet2web-Aktion, bei der Umstiegswilligen die Einrichtungsgebühr erlassen wird und man drei Monate gratis surfen kann, läuft bis 15. März. Bis dahin rechnet jet2web-Chef Eduard Zehetner (Bild) mit insgesamt "mehreren tausend Neukunden" für ADSL.

Naturgemäss machte sich Zehetner mit dieser Offensive bei Chello keine Freunde. Umgehend bekrittelte daher Chello-Sprecher Gustav Soucek "Schwachstellen im Konkurrenzangebot". So seien fixe Bandbreiten und damit eine gesicherte Download-Rate von 512 Kilobit pro Sekunde", wie sie von der TA garantiert werde, im Ortskabelnetz schon "aus physikalischen Gründen" nicht realistisch: Mit der steigenden User-Zahl sinke automatisch die verfügbare Bandbreite, so Soucek.

Andauernde Probleme

Chello hält derzeit nach eigenen Angaben in Wien, Klagenfurt, Graz und Baden bei Wien bei 80.000 Kunden, von denen im Wiener Raum am vergangenen Wochenende wieder einige über Verbindungsprobleme klagten. Chello-Chef Ulrich Neuert schaffte es trotz mehrfacher Beteuerungen bis jetzt offenbar noch nicht, die konsequent auftauchenden Probleme zu bewältigen, die bei Chello schon zur Tagesordnung gehören.

A-Online verweist unterdessen auf rund 39.000 ADSL-Anschlüsse, weitere 11.000 Kunden hätten sich für einen ADSL-Anschluss angemeldet. Laut Zehetner könnten derzeit rund 75 Prozent aller österreichischen Haushalten mit ADSL versorgt werden.

Ein Unsicherheitsfaktor ist allerdings noch die Reaktion des Verbandes der Internet-Provider (ISPA). Das es sich bei dem Umstiegsangebot um ein Kombinationsangebot von Telefon und Internet handelt (Interessenten ohne Telefonanschluss zuhause bekommen einen Anschluss gratis verlegt), schenke jet2web seinen Kunden in den ersten drei Monaten auch die Telefongrundgebühr.

Quersubventionierung?

Sollte es dabei zu einer Quersubventionierung anderer Telekom Austria-Tarife kommen, werde die ISPA den Regulator anrufen, erklärte ISPA-Generalsekretär Kurt Einzinger.

Beim österreichischen Internet-Ombudsmann Jürgen Gangoly sind jedenfalls beide Provider Stammgäste. 34 Prozent der gesamten Beschwerden richteten sich im Jahr 2000 gegen Internetanbieter. Die meisten dieser Beschwerden galten den beiden grössten Providern A-Online und Chello. Die Probleme beträfen technische Mängel, schlechte Performances, mangelnden Kundensupport sowie falsche Verrechnung auf beiden Seiten. Oftmals hätten Call Center-Mitarbeiter technische Probleme auf die Kunden abgewälzt.
 
(amb)
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