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Live 8 live @ Hyde Park

Die Verknüpfung populärer Musik mit ernster politischer Message war im Musikgeschäft schon immer ein Thema. Vergangenes Wochenende reihten sich die von Bob Geldof organisierten Live8-Konzerte genau da ein und entzweiten die Kritikermeinungen, wie es ähnliche Events in der Vergangenheit selten schafften. Vorab muss der Hut vor der organisatorischen Leistung gezogen werden. Live8 hat die Bezeichnung „Schauspiel“ definitiv mehr als verdient. Was bleibt, ist das Rätseln, ob die brisante Verknüpfung von Musik und Politik zu einer Megaparty nichts als Augenauswischerei bleibt, oder ob die moderne Gesellschaft nicht anders auf die Probleme aufmerksam gemacht werden kann. Idealismus über Afrika ist begrüssenswert, übertriebene Simplifizierung ist es nicht. „Eight men can change the world“, wie Geldof es während der Auftritte seiner namhaften Opinion-Leader Coldplay, U2, REM, Madonna, Pink Floyd, Elton John, Bill Gates oder David Beckham über den Tele-Banner laufen liess, ist einfach unrichtig. Ohne fundamentale Änderung des ökonomischen Umfelds, in dem die Menschen in Afrika tätig sind, und der politischen Kultur, in der sie leben, wird jeder Idealismus über Afrika heute zu Enttäuschungen morgen führen. Allerdings muss man scheinbar die Probleme auch für den einfachen Mann/Frau aufarbeiten und Geldof betonte mehrmals, sich bewusst zu sein, genau zu wissen, dass Pop nicht das Feld der differenzierten Diskurse sein kann. Die Geste von Live-8 war einfach: „Hallo, es gibt einen Kontinent, der täglich vor die Hunde geht. Wir wissen selbst nicht so genau, wie wir das verhindern können, aber wir müssen es verhindern“. Nachdem Geldof so laut geschrien hatte, sind auch einige Besucher gekommen. Knapp eine Viertel Million waren es im Londoner Hyde Park, die am frühen Nachmittag die Eröffnung durch U2 mit „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ weniger wegen der Message, sondern wegen des Monsterspektakels feierten. Immerhin war das Line-up sensationell. Perfekt gewählt, begann U2 diesen Song doch mit den Worten „It was 20 years ago“, eine Anspielung auf das erste Live Aid-Konzert im Jahr 1985. „One“ und „Beautiful Day“ folgten, danach flogen U2 nach Wien. Die Anhäufung der Weltstars war für die Besucher natürlich ein Fressen, die 15-minütigen Auftritte allerdings unzureichend. U2 kämpften mit dem Sound, ähnlich wie Madonna, Maria Carey oder Pete Doherty, deren Stimmen teilweise sogar im allgemeinen Lärm untergingen. In fester Hand hatten das Publikum dagegen Robbie Williams, Coldplay und die seit 25 Jahren, zum ersten und letzten Mal wieder in Originalformation auftretenden, Pink Floyd. Überraschen konnten die Scissor Sisters und Dido, die mit ihren sympatischen Kurzauftritten die Massen begeisterten. Geldof hat erreicht, was er wollte: Es wird geredet und man ist in den Medien. Auch kommerziell scheint Live8 einiges bewirkt zu haben. Sämtliche Acts verzeichneten rasant angewachsene Albenverkäufe, deren Einnahmen der Entwicklungshilfe zukommen werden. Heute ist der G8-Gipfel in Edinburgh. Mediale Berichterstattung gibt es kaum, und wenn, dann ausschliesslich in Verbindung mit Live8. Auch wenn man Geldof beschuldigt, alles zu vereinfachen, und die Ja-Sager anzusprechen. Ein bisschen Druck auf die Politik ist definitiv zu spüren.

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Direkt aus der Londoner Musikszene berichtet unser Korrespondent Andi Posavac

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