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Nine Black Alps @ Barfly in Camden Town, London

Viel Zeit ist nach dem Ende Nirvanas aus dem Jahr 1994 vergangen. Kurt Cobains Tod leitete für viele auch das Ende des Grunge-Zeitalters ein. Übersehen werden seitdem die zahlreichen Bands, die im Schatten der Band aus Seattle mit Fuzz-Gitarren, wimmernden Bässen, kombiniert mit scheppernden Drums, ihre Ängste in die Welt hinausschreien. Zwar hat sich die Musikwelt sichtlich verändert. Allerdings existiert Grunge in der damaligen Form immer noch, und dies sogar ziemlich erfolgreich neben den neuen Szenegrössen Franz Ferdinand oder den Kaiser Chiefs. Nine Black Alps schliessen da am ehesten dort an, wo die Bands aus dem Bundesstaat Washington, im Nordwesten der USA, Mitte der 90er aufgehört hatten. Die vier Jungzwanziger aus Manchester, die sich vor einiger Zeit aus Supermarkt-Aushilfskräften, Kohlebergwerk-Arbeitern und Studenten als Nine Black Alps zusammengetan haben, führen hierbei die neue Generation der „Generation X“ an und ziehen derzeit erfolgreich mit ihrem Debütalbum „Everything is“ um den Kontinent. Das Erfolgsrezept klingt bekannt. Aggressive Powerriffs, kombiniert mit eingängigen, problembe- wältigenden, einschneidenden Lyrics, sind das Grundgerüst der Nine Black Alps, deren Debütalbum mit 12 singlewürdigen Hits ausgestattet ist. Im Rahmen der gerade abgeschlossenen MTV2 Gonzo Tournee beehrten die Alps auch die traditionelle Barfly in Camden Town, London. Kaum 200 Besucher fasst die Barfly, in der schon einige legendäre Auftritte internationaler Musikgrössen stattgefunden haben. Und auch diesmal sollten die Anwesenden etwas ganz besonderes erleben. In vierzig Minuten packten die Alps zehn der zwölf Nummern von „Everything is“. Worte wurden keine gewechselt. Begrüssung gab es keine, ebensowenig wie eine Zugabe, geschweige denn eine Verabschiedung. Dafür erzeugten die Alps mit ihren Gitarrenriffs und dem durch diverse Intoxika oftmals dreistimmig erscheinenden Gesang einen derartigen Druck, der bei sämtlichen Zusehern nichts als offene Münder übrig liess. Es wird geschrien, gekeucht, gesprungen und gekrächzt, zwischen „Get your guns“ und „Cosmopolitan“ knüppelt man die neue Single „Justbecause“ in die Ohren der Anwesenden und begrüsst das Publikum mit einem „Hi“ (womit auch schon alles gesagt wurde). Es wird aber schon bald klar, dass es hierbei um mehr geht als nur ein Konzert einer aufsteigenden Band aus dem Norden Englands. Vielleicht geht der Aufstieg zu schnell, vielleicht schreien sich die vier genau aus diesem Grund die Seele und eine gewisse Zukunftsverweigerung „You can always save yourself – you can always hide your guns – you can always kill your sons“ aus dem Leib. Pure Energie und Angst, so kann man die vierzig Minuten wohl am besten beschreiben, wobei die Art und Weise, wie die zehn Songs präsentiert werden, sehr an die Band rund um Kurt Cobain erinnert. Ob Kopie oder eben die neue Band, die sich in den kommenden Jahren mit ihren direkten Hymnen für eine neue Generation im Computerzeitalter gegen alles stellen wird: Die Nine Black Alps erfrischen und bringen Vergessenes wieder zum Leben. „Everything is“ ist zwar hörbar an Nirvana angelehnt. Allerdings stört dies in keinster Weise. Schon lange nicht mehr konnte man derartigen Rock hören. Im Gegenteil. Man vermisst ihn sogar schon seit etwas über zehn Jahre.

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Direkt aus der Londoner Musikszene berichtet unser Korrespondent Andi Posavac

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