Thread "Frage an Staatsanleihenexperten" zu Bond Board
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Frage an Staatsanleihenexperten2011-06-17 11:46:58
5811 Postings
seit 2007-08-24
Gestern war im ZDF eine Diskussionssendung zum Thema Griechenland. Anwesend war der ehemalige Chef der BayernLB. Dieser meinte, daß der Zinsunterschied zwischen deutschen und griechischen Staatsanleihen maximal 0.5% beträgt und deshalb für die Banken nicht von großem Interesse war/ist, sondern nur als normale Beimischung zum Portfolio an Staatsanleihen gesehen wird.
Nun ist es doch meines Wissens so, daß grade die explodierenden Zinsen (dank der Downgrades) eines der großen Probleme der Griechen sind. Also entweder verwechseln die Medien da ständig CDS, Staatsanleihen etc oder der Herr hat einen Blödsinn verzapft.
Bitte um Aufklärung, falls sich da jemand auskennt.
Anleihen zur Generierung von Kursverlusten2011-03-18 15:12:09
82 Postings
seit 2010-12-02
Wie sinnvoll haltet Ihr es Anleihen zu kaufen um Kursverluste zu generieren die dann mit anderen Gewinnen gegengerechnet werden können. Das geht ja soweit ich weiß in Zukunft mit der neuen Wertpapier-KEST.
zB OMV XS0422624980 bringt bis 2014 bei einem Coupon von 6,25% eine Rendite von ca. 3% p.a. und fast 10% Kursverlust.
Grundsätzlich ein interessanter Gedanke, ich gehe davon aus, dass du meinst -angenommen - zu 105% zu kaufen und bis zur Endfälligkeit zu halten (100% Tilgung) und die 5% als Verlust zu lukrieren, oder?
Ich glaube nur, dass die KESt Ersparnis bei der verlustreichen Tilgung durch die erhöhte KESt Belastung auf die Kupons egalisiert werden wird. Hier versteuerst du ja vom Kupon 6,25% anstelle von realen 3%.
ja fast, in dem Beispiel mit der OMV Anleihe kriegt man Effektiv eine Rendite von 2,275% pa.a. nach Steuern plus in 2014 einen gegenrechenbaren Verlust von 10% des eingestzen Kapitals.
Die meisten Bonds sind alles andere als inflationssicher, ganz im Gegenteil. Beim typischen festverzinslichen Bond geht der Kurs bei steigender Inflation in die Knie.
Die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten eine steigende Inflation - noch nicht in 2009 und 2010, denn da sind Preissteigerungen bei unausgelasteten Kapazitäten eher schwierig. Aber danach. Man kann das bis zu 100% gestiegene Geldvolumen nicht "einfach so" und ohne negative Wirkung für die zarten Aufschwungspflänzchen zurückziehen. Und, Unabhängigkeit der EZB hin und her, ob sie sich tatsächlich dauerhaft dem Druck vieler Staaten entziehen können? Denn für die heißt es: das, was von den Staatsschulden nicht durch Inflation "bezahlt" wird, muss durch Steuern oder Sparen reinkommen. Wir werden sehen.
Allzu hoch dürfte die Inflation allerdings nicht steigen; erwiesen ist, dass sie bis etwa 6 %/Jahr nahezu keinen Schaden für die Wirtschaft entfaltet.
Ein Inflationsszenario von bis zu 6% ab 2011? Ist sicher nicht das Ziel der EZB, das liegt bei max. 2%, aber wir werden es sehen.
Sehen wir uns die Zinsstruktur an: Momentan sehr steil, historisch ungewöhnlich. Ganz niedrige kurzfristige Zinsen und ein 3-Monats-Euribor, der schon fast lächerlich niedrig ist.
Das wird, wenn die Inflation einsetzt, sich enorm ändern. Die Zinsstruktur wird sich verflachen, das Zinsniveau wird steigen.
Ein "normaler" festverzinslicher Bond mit guter Bonität erhält dann gute Chancen, mit seiner Rendite unter die Inflationsrate zu fallen. Leider.
Vermeiden läßt sich dieses Szenario bei festverzinslichen Bonds kaum.
Es mag einen vielleicht dann nicht so sehr stören, wenn die festverzinslichen Papiere hoch rentieren, also die Inflation nur wenig von der Rendite nimmt. Und in Renditegrößenordnungen wie bei den vieldiskutierten Wandelanleihen von IVG und Immofinanz wird die Inflation bei weitem nicht kommen, jedenfalls nicht in Europa. Aber es soll hier nicht um IVG, Immofinanz und Air Berlin gehen.
Sehen wir uns variabel verzinsliche Papiere an. Der "Floater" wurde viel gescholten und "Hybridanleihe" klingt in einer Finanzkrise nicht gesund. Aber ist es wirklich so schlimm?
Es gibt bei Floatern ganz verschiedene Ausgestaltungen, selbst von dem gleichen Emittenten. Will man ein eher sicheres Papier, geht man etwa auf einen Lower Tier 2 mit guter Bonität und überschaubarer Laufzeit. Ist man stärker chancenorientiert, kann es auch ein Perpetual sein.
Die Hybridanleihen haben sich insbesondere an institutionelle Investoren gerichtet. Und die halten sich seit einiger Zeit bei diesen Bereichen stärker zurück. Heißt: Vielfach sind durch den Verkäuferüberhang die Kurse von Hybriden gefallen.
Immerhin ist Invest in Hybride Arbeit - ohne das Prospekt zu lesen, macht es keinen Sinn. Solche Produkte muß man kennen. Ein Tier 1-Papier zu kaufen, ohne zu wissen, dass bei fehlender Dividende auch keine Zinsen gezahlt werden - lieber nicht, wenn man Risiken eingeht, sollte man sie kennen.
Aber, hat man es gelesen, haben einige davon ganz besondere Chancen:
- Bei variabler Verzinsung ist automatisch ein Inflationsschutz eingebaut.
- Bei einigen Floatern wird gerade die Zinsstruktur - die nicht so bleiben kann - zu einer Renditeverbesserung führen.
- Die Perpetuals haben idR einen Zeitpunkt, an dem von fester auf variable Verzinsung umgestellt wird. Sieht man sich dann die Refinanzierungsmöglichkeit des Unternehmens an, wird es sich für viele Unternehmen lohnen, den Perpetual dann zu callen (zurückzukaufen).
- Rechnet man das ein, ergibt sich bei einigen Papieren aus Häusern mit guter Bonität eine hohe Rendite (teilweise um die 10%).
- Viele Hybride haben nach wie vor Einstiegskurse, die deutlich unter pari liegen. Manche sind noch bei 60, 70%. Auch wenn schon einiges aufgeholt wurde.
Hybride sind schwierige Instrumente sind, sicher braucht man Zeit dafür und muß die Materie verstehen. Aber vielleicht lohnt sich ein Blick.
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