Die Wiener
Börse und die geplante
Wertpapier-KESt sind zwei Dinge, die nicht zusammen passen. Das macht sich mittlerweile auch beim Handelsvolumen bemerkbar bzw. hat kurzfristig positive Auswirkungen auf die Nachfrage nach Zertifikaten. Diese Meinung vertritt die Mehrheit der BE100. Dabei handelt es sich um das Expertenforum des Börse Express, das regelmässig aktuelle Fragen zum Finanz- und Wirtschaftsgeschehen beantwortet - dieses Mal zu Entwicklungen im
Zertifikate-Bereich.
Sieht man sich das Handelsvolumen am
Kassamarkt der Börse
Wien an, so muss sich so manch ein Börsianer die Tränen verkneifen. Es geht bergab - und das ziemlich deutlich. Auch im
Anleihe-Bereich sind die Volumina rückläufig, bei Zertifikaten hat es hingegen eine Verdoppelung gegeben.
Mehr als die Hälfte der BE100, konkret 53 Prozent, führen dieses Wachstum im Zertifikate-Bereich darauf zurück, dass die neue Wertpapier-KESt für ein paar Monate noch schonende Lücken bei einigen Zertifikate-Arten offen gelassen hat. 21 Prozent der BE100 glauben, dass das Zertifikate-Volumen an der
Wiener Börse verglichen mit
Euwax und Scoach einfach noch verschwindend klein ist und sich daher der Aufholbedarf ableitet. 13 Prozent führen das Wachstum auf die von der Branche getätigte Aufklärungs- und Transparenzarbeit der vergangenen Jahre zurück. Die Zertifikate seien damit beim
Anleger angekommen, und weitere 13 Prozent argumentieren, dass Zertifikate in relativ richtungslosen Börsephasen wie dieser attraktive Investments darstellen.
Strukturelle Effekte
"Das Lückenargument ist richtig, aber der strukturelle Effekt ist ebenso vorhanden", merkt BE100-Mitglied
Günther Artner, Co
-Head of CEE Equity Research bei der
Erste Group, an. Mit der Wertpapier-KESt gibt es im Endeffekt steuerlich keinen Unterschied mehr zwischen
Aktien und Zertifikaten, die bereits in der Vergangenheit der KESt unterlagen. Damit wurde quasi auch die jahrelange steuerliche Benachteiligung der Zertifikatebranche aufgehoben.
Heinrich Traumüller aus dem Büro des Kapitalmarktbeauftragten des Finanzministers meint:
"Zertifikate sind ein noch relativ junges Anlageinstrument, in dem sehr viel Wissen steckt, alleine aufgrund ihrer beeindruckenden Produktvielfalt. Umso wichtiger ist es daher, dass sich die Emittenten am Markt fair verhalten und ihren Wissensvorsprung für den Anleger vorteilhaft nutzen."
Sparbuch-Ersatz
Der österreichische Markt ist bei den Zertifikate-Emittenten sehr beliebt. Von den grossen internationalen Namen fehlt niemand. 53 Prozent der BE100 führen dies auf das Sicherheitsbedürfnis der Österreicher in der Veranlagung zurück. Sie haben quasi in den Garantieprodukten unter den Zertifikaten einen Ersatz fürs überaus beliebte Sparbuch gefunden. 27 Prozent meinen, dies ist auf die sehr aktiven Finanzberater in der Alpenrepublik zurückzuführen. Diese vertreiben ja bekanntlich sehr gerne strukturierte Produkte. Und 20 Prozent der BE100 sehen neben einem - im internationalen Vergleich kleinen - Angebot an börsenotierten Aktien und
Anleihen einfach viel Platz für diese Produktkategorie.
Bei rund der Hälfte der BE100-Experten, konkret 47 Prozent, spielen Zertifikate bereits in den persönlichen Anlageüberlegungen eine Rolle. Bei 13 Prozent ist das noch nicht der Fall, sie überlegen aber. Und der Rest veranlagt derzeit ohne Zertifikate.
Die BE100 sind eine Kooperation von Börse Express und
DLA Piper Weiss-Tessbach. Infos zu den Teilnehmern und zu früheren Umfragen unter www.boerse-express.com/be100